Kindheit im Rampenlicht
Die Lichter gehen an, die Musik setzt ein und der Vorhang öffnet sich. Frei stehend auf zwei Schimmeln galoppiert Niko in die Manege. In seinem weißen Anzug, an dem wie tausend Lichter die Strasssteine funkeln, dreht er die erste Runde, winkt den begeisterten Zuschauern zu und lenkt seine beiden Pferde leichthändig durch das Kreisrund der Manege.
Der 15-jährige Niko ist ein echtes Zirkuskind. Er ist praktisch in der Manege groß geworden und trat bereits als Kind mit kleineren Pony-Nummern auf. Seine ältere Schwester Nina vollführt zusammen mit ihren Eltern wagemutige Nummern auf dem Trapez, bei denen den Zuschauern der Atem stockt und die Luft im Zirkuszelt vor Spannung knistert.
Keine Zeit für Hobbys
Zirkuskinder stehen schon früh im Rampenlicht. Bevor sie mit eigenen Nummern auftreten, sind sie erst mal bei den Auftritten ihrer Eltern mit dabei. Die Auftritte vor Publikum sind die glanzvollen Höhepunkte des Zirkuslebens. Doch dieses Leben besteht nicht nur aus Shows vor ausverkauftem Haus. Für Niko und seine 17-jährige Schwester Nina beginnt der Tag morgens mit dem Unterricht an einer ganz normalen Schule und endet mit einem Auftritt am Abend.
Die beiden gehen immer in dem Ort zur Schule, an dem der Zirkus gerade gastiert. An die neugierigen Fragen in der Klasse haben sich die beiden inzwischen gewöhnt. Der ständige Wechsel der Schule dagegen ist nicht immer einfach. Dauernd neue Lehrer, neue Mitschüler und der Unterrichtsstoff in den verschiedenen Bundesländer ist auch nicht immer der gleiche.
Um sicherzustellen, dass Zirkuskinder eine ausreichende Schulausbildung bekommen, müssen sie jedes Jahr die staatliche Schulprüfung bestehen. Und dafür wird ordentlich gebüffelt. Wer durchfällt, muss nämlich ins Internat. Und das will natürlich niemand!
Nach den Hausaufgaben packen Niko und seine Schwester bei der täglichen Arbeit im Zirkusbetrieb mit an: kochen und putzen, Tiere füttern und die Ställe ausmisten. Und dann ist Trainieren angesagt.
Für Hobbys und Ausgehen bleibt da wenig Zeit, denn abends ist immer Vorstellung.
Während der Winterpause wohnen Zirkusleute in einem Winterquartier. Manche haben sich für diese Zeit ein Haus gebaut. Andere leben weiterhin im Wohnwagen.
Das Gefühl von Freiheit
Was ist denn die besondere Faszination am Zirkusleben? Denn viel Geld lässt sich damit nicht verdienen.
„Es ist vielmehr das Gefühl von Freiheit, sein eigener Chef zu sein“, erzählt Nina.
Aber diese Freiheit und das Nomadenleben haben auch Nachteile. Freundschaften zu schließen oder sich womöglich zu verlieben, ist äußerst schwierig.
„Kaum ist man angekommen, muss man schon wieder weg. Echte Freunde außerhalb des Zirkus habe ich kaum“, erzählt Niko.
Und was ist, wenn man sich doch mal verliebt?
„Ich habe mich mal ordentlich in einen Mitschüler verknallt“, erzählt Nina etwas verlegen. „Und als wir weiterziehen mussten, war das ziemlich schlimm. Wir haben beide geheult und uns ewige Treue geschworen. Anfangs schrieben wir uns noch oft E-Mails und haben täglich telefoniert. Aber nach einigen Monaten war’s dann auch vorbei.“
Seinen späteren Partner sucht und findet man meistens in der Welt des Zirkus. Denn das ist die eigentlich große Familie. Die Eltern von Nina und Niko haben sich ineinander verliebt, als der Vater einen Gastauftritt im Zirkus der Mutter hatte. Während der Probe rutschte Ninas Mutter aus und fiel vom Seil. In die Arme ihres Zukünftigen. So etwas passiert eben nur im Zirkus!

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